Wörthersee Showcar

Dieser Golf ist stärker, breiter, schneller. Denn er nennt einen W12-Zylinder sein Eigen. Unter der Haube lauern tatsächlich 650 PS.
Der GTI ist seit jeher etwas Besonderes. Schließlich war seine Entstehung bereits ein Akt der Rebellion. Seine Ausführung als Ur-GTI kam einer Revolution gleich.  

Herzblut trifft Technikkompetenz

Drei Jahrzehnte später zeigt der GTI, dass aufmüpfig sein keine Frage des Alters ist; vielmehr der Technikkompetenz und der Hingabe an die Sache. Der Golf GTI W12-650 ist eine Verneigung vor den Menschen, die den GTI weltweit zum Kultobjekt machten - seinen Fans, für die allein er konzipiert wurde. Und wo begegnet man diesen Freaks garantiert in rauen Mengen? Beim Wörthersee-Treffen. Daher wurde auch zur Vorstellung des sensationellen Showcars genau dieser Anlass gewählt.  

Balsam für die Seele

650 PS oder auch 477 kW bei 6.000 U/min oder auch in 3,7 Sekunden von null auf hundert oder 325 km/h Höchstgeschwindigkeit. Das sind die Kennzahlen des "Golf Wörthersee". Sein längs hinter Fahrer und Beifahrer eingebauter 6,0-Liter-Biturbo-Motor macht ihn zu einem klassischen Mittelsportwagen. Sein Sechsgang-Automatikgetriebe transportiert die Kraft von maximal 750 Newtonmetern bei 4.500 U/min an die Hinterachse. Wie erwähnt: stärker und schneller.  

Ein Schmaus für die Augen

Was war noch angekündigt? Breiter. Um genau 160 Millimeter ist er das hinten. Breite Schultern hat der Golf sowieso - hier wurden sie wie beim Sportwagen noch weiter nach außen gezogen. Wie bei einem Coupé muten die Ausschnitte der Radhäuser und die gigantischen Radläufe an, die zu Bestandteilen der Wagenschultern wurden. Direkt von einem Supersportwagen wurden die Fahrwerkskomponenten adaptiert: Auf den 70 Millimeter tiefer ins Fahrwerk geschobenen Achsen befinden sich vorne 235er Reifen im 19-Zoll-Format, hinten 295er Pneus. Die glanzgedrehten GTI-Felgen "Detroit" sind aufgrund dieser Dimensionen extra gefertigt und in Richtung Radnabe geschüsselt. Der Lochkranz mit den Radmuttern liegt weitaus tiefer als der Felgenkranz.  

Ein echter GTI

Bei all den guten Gaben anderer Fahrzeugklassen und Konzernbereiche war es dann aber natürlich ein bissl schwierig, den klaren GTI-Charakter des Designs zu bewahren. Denn ein Sechsliter-Mittelmotor will mit ausreichend Luft versorgt sein und bei einem so schnellen Modell ist ausreichend Abtrieb an der Hinterachse vonnöten. Da haben die Designer bei Volkswagen einfach Tricks angewandt: Die C-Säulen wurden so umfunktioniert, dass sie Luft zum Motor leiten. Bezüglich des Abtriebs hat Volkswagen Chefdesigner Klaus Bischoff folgende Pfiffigkeit zu vermelden: "Dieser GTI trägt den Flügel nach innen. Das Dach ist Teil eines riesigen Diffusors, der für ausreichend Abtrieb an der Hinterachse sorgt. Es besteht aus Kohlefaser und leitet die Luft so über und unter dem Heckspoiler hindurch, um einen Anpressdruck wie im Motorsport zu erzielen." Das geht!

Warm ums Herz wird dem ein oder anderen sicher, wenn er den rot eingefassten, gradlinigen Grill zwischen den Frontscheinwerfern und die drei runden Zusatzinstrumente in der Mitte der Armaturen erblickt. Denn das sind klare Reminiszenzen an den Ur-GTI.

Nur an einer Stelle bietet der "Golf Wörthersee" weniger, jedoch hat das Methode: Um Gewicht zu reduzieren gibt es statt Türverkleidungen Gitter, durch die man Einblick in die Türmechanik erhält.

Und nun sagt selbst: Das ist doch eine durchaus akzeptable Huldigung der GTI-Fans, oder?  

Bilder und Texte © Volkswagen AG